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Der Bikini-Komplex

Eine Reise in die Untiefen der Strandkultur
mit Krystian Woznicki

Bikini-Komplex

Die Erfindung der Atombombe stellte nicht nur das vorherrschende Weltbild auf den Kopf, sondern auch das Bild der anderen Welt. Aufnahmen von US-amerikanischen Kernwaffenversuchen, die zwischen 1946 und 1958 auf dem nördlichsten Atoll der Marshall-Inseln durchgeführt wurden, brannten sich in das kollektive Gedächtnis ein. Der Zufall wollte es, dass diese Fotos auf einer Insel entstanden, nach der ein Zweiteiler der Bademode benannt werden sollte: Bikini. Ihre visuellen Signale flossen in der Folge in die Sinnraster der Massenkultur ein – bis heute beeinflusst das Palmen, Südsee und Atompilz-Motiv Paradiesdarstellungen in der Popkultur.

Ästhetisierte Aufnahmen von Flammenmeeren über Palmenwäldern zählen zu diesem Repertoire (Apocalypse Now) genauso wie Kriegsschauplätze in der Südsee, die als ambivalente Sehnsuchtsorte dargestellt werden (Thin Red Line). Auch jenseits des Kriegsfilms zeichnet sich dieses spezifische Harmonieverständnis in der Populärkultur ab: Von Jim Jarmuschs Kinofilm Stranger Than Paradise über die ambivalenten Palmenmuster in Oliver Stones Event-Serie Wild Palms bis hin zu den brennenden Palmen in Ushers Musikclip Burn und der von Aussteigern mit militärischen Systemen kontrollierten Pazifik-Insel in J.J. Abrams’ überaus beliebter TV-Serie Lost: Ein Paradies, das mit den Worten Vladimir Nabokovs in den Farben des Fegefeuers erglimmt, ist zu einer massentauglichen Sehnsuchtsoption geworden.

Krystian Woznicki, Autor des Buches Abschalten. Paradiesproduktion, Massentourismus und Globalisierung, hält einen Kurzvortrag über den Bikini-Komplex und stellt zwei historische Folgen der TV-Serien Fantasy Island und Lost im reproducts-Fernsehmuseum vor. Der in Berlin lebende Kulturkritiker arbeitete in den Neunzigern als Kolumnist der Japan Times und als Korrespondent der Spex in Tokio. In den letzten Jahren hat er einige Sammelbände (mit-)herausgegeben und ist heute Chefredakteur der Berliner Gazette. Abschalten ist seine Debüt-Publikation als Autor.

Abschalten
Paradiesproduktion, Massentourismus und Globalisierung
Krystian Woznicki; Berlin: Kulturverlag Kadmos, März 2008
Mit einem Vorwort von Tom Holert und zahlr. Abbildungen
240 Seiten, 19,90 Euro, ISBN: 3-86599-046-0

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