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Im Keller

Erik Ode ist Der Kommissar

Der Kommissar

Um drei Jahre nach Einführung des Farbfernsehens in Deutschland eine Schwarz/Weiss-Serie zu starten, bedarf es einer gewissen Blindheit gegenüber den Zeichen der Zeit, oder aber einfach des richtigen Riechers. Neben "Derrick", ebenfalls von Herbert Reinecker erfunden, war keine deutsche Serie so von Erfolg gekrönt wie Der Kommissar.

1970: Die infektiösen Überreste der Studentenrevolte sind tief in den Volkskörper eingedrungen und haben mittlerweile fast alle Organe befallen. Nur das Hirn, mit der konservierenden Kraft der Trägheit und des Starrsinns gesegnet, erwehrt sich der Angriffe bisher erfolgreich. Denn viel zu schnell vollzieht sich der gesellschaftliche Wandel, als dass das Bewusstsein sich durch das Sein prägen ließe. Folgerichtig entstehen Konflikte, die dem Aufeinanderprallen unterschiedlicher Wertesysteme im antiken Drama in nichts nachstehen: Söhne erschlagen Väter, oder Töchter werden erschossen, um sie vor der Schande zu schützen.

Und hier ist der Punkt, an dem Kommissar Keller die Szene betritt: Klein, unscheinbar, eher als Nebenfigur angelegt. Flankiert von einem Team erfahrener Ermittler ist es seine schwere Aufgabe, die Psyche derer offen zu legen, die den Kontrakt zwischen sich und der Gesellschaft gekündigt und zu Tätern geworden sind. Keller hört ihnen geduldig zu und erhebt seine Stimme nur, wenn hartnäckig geschwiegen wird. Er will verstehen. Er wertet selten. Aber er führt die Täter ihrer Strafe zu. Um ihres eigenen Heils willen.

Kommissar Keller ist der Therapeut der deutschen Seele. Aber gleichzeitig ist er auch das psychische Ventil seines Erfinders, des Drehbuchautoren Herbert Reinecker. Dessen Vergangenheit im dritten Reich mündete in einen Schuldkomplex, aus dem schöpfend er über dreißig Jahre in Variationen immer wieder dasselbe Drehbuch schrieb. Sein durchgehender Erfolg beim Publikum lässt erneut darauf schließen, dass die Psychodynamik eines Volkes eine recht träge Angelegenheit sein kann.

Wir zeigen zwei ausgewählte Folgen der Serie Der Kommissar: Walter Sedlmayer als prügelnder Patriarch in einer klaustrophobischen Kneipe auf dem Lande, sowie den jungen Götz George als charmanten fahrradfahrenden Zuhälter im Wolfspelz. Abgerundet wird das Programm durch ein "Kommissar"-Potpourri-Praliné mit Schuss.

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