Entgegen den Gepflogenheiten des Fernsehmuseums taucht diese Manifestation der wiederkehrenden Sozialen Plastik tief hinunter zu ihren eigenen Wurzeln - ohne den Blick auf die Gegenwart zu wagen. Im Gegenteil - die Suche geht noch weiter zurück! Zu der Vergangenheit vor der Vergangenheit. Es kommt ein Heulen über das Publikum, denn da spannen sich die Parabeln der Problemfälle auf zwischen unserem Walter, Kommissar Freytag und landen wie immer - die Bahn ist ja nur Dienstleister - schließlich auf dem Kleinstadtbahnhof.
Begonnen hat dies alles Anfang der 70er Jahre. Man wagte mehr Demokratie, man wagte tiefere Einblicke in Rückblicke und Rockschlitze, man wagte die Behauptung, dass eine andere Zeit angebrochen sei. Auch im Fernsehen wurden die alten Zöpfe abgeschnitten und von progressiven Antiautoritaristen wie Dieter "im Fernsehgarten trag’ ich meine Strickjacke" Stolte ersetzt. So eine Tsunami der sozialkritischen Reflektion über den Menschen und die Bedingungen seiner Möglichkeiten spülte auch die Gehirnwindungen kleiner Redakteure durch. Fazit: Es wurden heiße Eisen angepackt und mit glühenden Nadeln auf 625 Zeilen pro Bild verstrickt. Kein Thema war zu kontrovers, um nicht als hübsches Zopfmuster im glatt rechtsgestrickten Strumpf für den Büßerfuß eine aparte Zierde zu sein. Wie das wirklich genau aussah, zeigen televisionäre Schlaglichter aus einer Zeit als das Down-Syndrom noch Mongolismus war, Rocker noch Nieten trugen und Stadtrandsiedlungen "Mau Mau" hießen.
Ganz schön mutig, mag man da denken. Und zu Recht! Denn ein Besuch bei Kommissar Freytag in den 60er Jahren beim Kampf gegen renitente Polen lässt erahnen, gegen welche Altlasten Fernsehmacher in den 70ern zu kämpfen hatten.