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Hitlers Fernsehgarten

Gute Unterhaltung damals und heute

Diesmal legt das Fernsehmuseum eine Nachhilfestunde ein und geht zurück zu den Anfängen des Fernsehens, das in Deutschland zweimal geboren wurde. Zwei Dokumentationen beleuchten die allerersten Versuche in der Übertragung von bewegten Bildern und danach den Beginn dessen, was wir heute unter Fernsehen verstehen.

Fernsehmuseum

In den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde in Berlin der regelmäßige Fernsehbetrieb aufgenommen. Die erste TV-Show, die damals vom Dach des Senders ausgestrahlt wurde, hieß Fernsehgarten: ein bunter Strauß aus Gesangsnummern und kleinen Interviews. Wie man sieht, überdauern gute Konzepte locker 1000 Jahre. Auch sonst hat sich im Grunde nicht viel geändert. Tipps für die Hausfrau, Kochsendungen und vor allem leichte Muse als Ablenkung gegen den Krieg mit dem Alltag. Der größte Fortschritt scheint da zu sein, dass wir es von 30 Zeilen auf immerhin 625 geschafft haben.

Dennoch lassen sich diese Bilder in ihrer putzigen Primitivität leicht distanzieren. Sie wirken nicht anders als die ersten Nachrichtensendungen auf RTL plus mit Hans Meiser um 1985. Schwieriger wird das bei einer grandiosen Dokumentation aus den frühen 60er Jahren. Der handwerklich und journalistisch erstklassige Film zeigt uns, warum die Durbridge-Mehrteiler "Straßenfeger" genannt wurden. Es handelt sich um eine Bestandsaufnahme aus der Zeit, als das Fernsehen langsam allgemein verfügbar war. Aus zahlreichen Stellungnahmen von Passanten entsteht ein Bild, wie die "Flimmerkiste" auf die Menschen, ihr Freizeitverhalten, ihre Kommunikation und ihr Denken wirkt. Schockierend geradezu sind die Interviews mit Fernsehverantwortlichen und Vorständen von Bürgerinitiativen (auch wenn es dieses Wort damals noch gar nicht gab) führt. Hochgebildete, prononciert sprechende Geisteswissenschaftler in eleganten Büros halten die Fahne des Bildungsauftrages und den Anspruch der umfassenden Interessenabdeckung hoch. Dagegen sitzen verhutzelt-verstruppte Piesepampel an wachstuchbewehrten Küchentischen und schwadronieren darüber, wie schlimm das Fernsehprogramm sei. Wortreich formieren sie Bürgerbegehren, damit endlich mehr für die Unterhaltung der Zuschauer getan wird.

Nach dieser Dokumentation schaltet das Fernsehmuseum direkt in das laufende Programm, um zu sehen, wer da noch zuletzt lacht.

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