An diesem Abend taucht das Fernsehmuseum hinab in die submarinen Abgründe und Untiefen der floridianischen Küstenregion wie ihrer Bewohner. Das Fernsehmuseum zeigt Flipper, "den klugen Delphin", in höchster Gefahr vor bösen Haien, Hörsturz und Gedächtnisverlust.
In der feucht-schwülen Hitze von Coral Key bietet sich uns das Bild
einer typischen 60er-Jahre-Familienidylle nach dem bewährten
Bonanza-Rezept der Frauenfreiheit. Irgendwo, scheinbar fernab von
jeder Zivilisation, haust Vater Porter Ricks allein mit seinen
minderjährigen Söhnen und ist ihnen wie dem Nationalpark ein
strenger, aber gerechter Aufseher.
Doch was wäre eine echte Idylle, wenn sie nicht von Zeit zu Zeit
bedroht würde und sich unter dem türkisblauen Wasserspiegel üble
Fäulnisgase ihren Weg an die Oberfläche bahnten? Scharen von
Schatzräubern, Menschenhaien, Umweltsündern, Mördermuscheln und
sogar bösen Doppelgängern versuchen, in dies Jungen-Reservat
einzudringen und seine Homogenität zu stören.
Welch ein Glück, dass es Flipper gibt, das schwimmende
Phallussymbol, den schnatternden Freund aller Kinder und steten
Begleiter echter Gummifans ("...Große nicht minder, lieben auch
ihn!"). Mittels einer quäkenden Handhupe gerufen ruht dieser treue
Torpedo nicht eher, bis sich all das Böse wieder in sein
Bermuda-Dreieck zurückgezogen hat. Durch die gute alte
Vollkontakt-Stupsnasen-Technik außer Gefecht gesetzt treiben die
Bösnickel wie Fettaugen an der Oberfläche - wahlweise mit geplatzten
Schwimmblasen oder Eingeweiden.
So kindlich und einfach die Serie scheint, so erheblich sind doch die Anforderungen, die sie an ihre Zuschauer stellt. Das Fernsehmuseum konfrontiert die Zuschauer mit drei Folgen, die die Bedrohung der Lagunenidylle mehr und mehr in sein Maskottchen hineinverlagert. Sind es zunächst noch Killerhaie, die Flipper und seinen humanoiden Spielkameraden zusetzen, ist es danach ein Hörsturz, der den treuen Freund unfolgsam macht, und zuletzt ein Gedächtnisverlust, der ihn "wie ein anderer Delphin" wirken lässt. Dies alles, plus Happy End, geschieht in jeweils 23 Minuten. Davon besteht fast die Hälfte aus gekräuseltem Wasser, in denen ein Schnattervieh herumwirbelt. Die Szenen sind völlig haltlos zusammengeschnitten: schlechtes Wetter im Brackwasser, strahlender Sonnenschein auf hoher See und Kunstlicht im Pool wechseln sekündlich. Der Zuschauer ist schwer gefordert, aus diesem disparaten Bilderstrudel eine konsistente Geschichte herausfischen. Das alles auch noch mit der unelegantesten Synchronisation der Welt - eine harte Kost, die sonst nur in geschlossenen Experimentalfilmzirkeln verabreicht wird.