Es ist Abend, der einzelne Zuschauer lehnt sich im Sofa zurück. Eine Hand greift nach Chips oder Süßigkeiten, die andere streichelt das Sofakissen oder die eigenen Schenkel. Gebannt starren die Augen auf die gläserne Trennscheibe hinter der andere Einzelwesen um Gesellschaft buhlen. Es ist die bittere Ironie des Fernsehens, dass es den Menschen, die durch das solitäre Sehen ihre sozialen Kontakte verloren, gleichzeitig das wirksamste Medium bietet, um die verlassene Gemeinschaft wiederzufinden.
Seit Beginn des Fernsehens dienen Shows und Unterhaltungssendungen mehr oder weniger offen dazu, Anschluss zu finden, um den Sackbahnhof des eigenen Lebens endlich zu verlassen. Diese Maßnahme scheint besonders auf dem Sendegebiet der ehemaligen DDR notwendig zu sein. "Je t'aime - Wer mit wem?" ist seit 1990 mit Frank Liehr auf Sendung. Der Moderator, der die ganze Regenbogenpalette an Kunstkaschmirsakkos der 80er sein eigen nennt, salbadert für jedes Töpfchen ein Deckelchen daher. Die Texte, die die alleinstehenden Kandidaten ablesen müssen, habe ihre ganz eigene, immer gleiche Diktion. So werden die Hilfesuchenden zu Abziehbildern eines kollektiven Schicksals.
Das Fernsehmuseum zeigt mehrere Folgen des Klassikers aus den letzten dreizehn Jahren. Als Gegenpol demonstrieren die Privatsender mit Sendungen wie "Heartbeat" auf Vox, dass Bettelei um Gesellschaft mit unheimlich komischen Filmchen, die irre spontan und selbstgedreht wirken, ganz wahnsinnig lustig sein kann.
Für die Besucher hält das Fernsehmuseum-Team diverse Adressen von abgelegenen Eremitenhöhlen bereit.