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Angst essen Dalli Dalli auf

Die bewegende Begegnung zweier Kultur-Giganten

Faßbinder und Rosenthal

Wir schreiben das Jahr 1974: "Dalli Dalli" ist bereits fester Bestandteil des Donnerstagabend, und Hans Rosenthal gilt als der beliebteste, sympathischste und unarroganteste Showmaster des deutschen Fernsehens. Alle Größen aus Fernsehen, Theater, Politik, Funk und Film sitzen bei ihm hinter den Ratepulten. Da ist es selbstverständlich, dass auch ein junger, eigenwilliger Regisseur, der für soviel Aufsehen sorgt, eingeladen wird. Wie ein Konfirmant sieht er aus, der Schöpfer von "Liebe ist kälter als der Tod". Das liegt nicht nur an seinem alten Konfirmationsanzug, Rainer Werner Faßbinder hat ein noch so kindlich offenes Gesicht, dass sein Ratekollege aus dem Team "Textbuch", Wolfgang Spier, dagegen wie Methusalem aussieht. Was sich nun abspielt, sucht seinesgleichen in der Showgeschichte. Zwei Exponenten der Unterhaltung gehen ganz vorsichtig aufeinander zu. Rosenthal, der bekennende Republikaner, der Jude in Deutschland, der trotz allem oder gerade deswegen hier ist und seinen Verfolgern von einst unbeschwerte Stunden beschert. Faßbinder, das sogenannte "enfant terrible" der Theater- und Filmszene, der mit seinen Produktionsmethoden, seinen Themen und seinen Inszenierungen der wichtigste Impulsgeber für das deutsche Kino der Nachkriegszeit ist. Man sieht, wie Rosenthal sich innerlich ängstlich fragt, ob der verrückte Jungspund ihm hier seinen fröhlichen Reigen stören wird. Gleichzeitig ist er voller Respekt gegenüber Faßbinders ungeheurer Schaffenskraft. Der wiederum ist geradezu dankbar gerührt, hier dabei sein zu dürfen, denn er zollt Rosenthal mindestens ebenso großen Respekt für seine Kunst, leicht zu unterhalten.

Faßbinder und Spier

Und dann wird gespielt! Wie alle anderen, lässt sich Faßbinder zunächst einem Assoziationstest unterziehen ("Was unternehmen Sie, wenn sich ihre Frau nicht wohlfühlt? Sie haben 15 Sekunden, dalli dalli!"), um mentale Verhärtungen erweichen zu lassen. Im Geschicklichkeitsspiel wird das Gehirn durch manuelle Anforderungen entwaffnet und für die Endrunde vorbereitet. Hier outet sich Faßbinder schließlich ungewollt und gibt zu erkennen, dass er voll auf die fiese Sadoschwester Ekkehard Fritsch steht.

Hertha

Als Epilog zeigt das Fernsehmuseum eine Folge von "Was wäre wenn". In dieser ZDF-Vorabendshow mit Carl-Heinz Hollmann erzählen und spielen Prominente in einem TV-Wohnzimmer in lockerer Runde, was sie gern oder gezwungenermaßen geworden wären, wenn sie nicht ins Showbiz gewechselt hätten. Neben Dietmar Schönherr, Martin Jente und Ernst Stankovski erleben wir Hans Rosenthal im blauweißgestreiften Dress von Hertha, deren Jugendmannschaft er leider nie besuchen durfte ...

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